Beratung und Service
Mit dem Herbst kommen die Haie
Innung und Handwerkskammer warnen vor unseriösen Dach-Arbeiten
Wer es auf unsaubere Geschäfte anlegt, kann dort am meisten verdienen, wo Unwissenheit im Spiel ist. Über Hausdächer wissen nur die wenigsten Endverbraucher wirklich gut Bescheid. Zum Herbstbeginn 2007 weisen nun die Dachdecker-Innung Stuttgart und die Handwerkskammer Region Stuttgart darauf hin, dass Vorsicht geboten ist, wenn jemand an der Haustür klingelt, der vermeintlich günstige Dacharbeiten durchführen will.

Haie sind Raubfische, das weiß jeder. Einen guten Ruf haben sie also nicht zu verlieren. Der Berufsstand der Dachdecker hingegen hat durchaus Grund, sich Sorgen zu machen, wenn einige skrupellose Anbieter von Reparaturarbeiten den Ruf der gesamten Branche aufs Spiel setzen. Das ist der Grund, weshalb die Dachdecker-Innung Stuttgart vor sogenannten "Dach-Haien" warnt. Die leben offenbar ganz gut von der Arglosigkeit kleinerer Fische.
Die kleineren Fische, das seien zumeist ältere Kunden, sagt Achim Kraisel. Er ist in der Handwerkskammer Region Stuttgart als Berater für Handwerksrecht und für Gewerberecht tätig. Im Zweifelsfall ist er damit der Ansprechpartner für Verbraucher, die die unliebsame Bekanntschaft unseriöser Anbieter gemacht haben. "Im Prinzip haben wir es da mit unfairen Haustürgeschäften zu tun", erklärt Achim Kraisel. Unfair ist, dass die Methode der "Haie" darauf abzielt, Hauseigentümern angeblich dringende Reparaturarbeiten auf dem Hausdach zu verkaufen, die so dringend womöglich gar nicht sind. Dafür aber umso kostspieliger.
Uta Hühn von der Dachdecker-Innung Stuttgart weist auf das typische Vorgehen unseriöser Dienstleister hin: "Diese Dachdecker bieten dem Häuslebesitzer zunächst Kleinstreparaturen an. Damit verschaffen sich diese Firmen Zutritt zum Dach. In Kürze soll der Auftrag ausgeführt werden. Und in dem Zusammenhang wird jedoch in der Regel immer festgestellt, dass sich diese Reparatur nicht mehr lohnt. Sehr schnell wird eine größere Sache daraus." Die dann auch größer bezahlt werden muss. Und so wird aus einem Auftrag, der zunächst 50 bis 150 Euro kosten sollte, urplötzlich eine komplette und meist überteuerte Dachsanierung. "Dann sind wir unversehens bei Kosten von 15.000 bis 20.000 oder mehr Euro ", warnt Uta Hühn. Der Ärger mit den "Haien" sei für die Dachdecker-Innung an sich ein ständiges Thema, sagt sie, aber zu bestimmten Jahreszeiten, wird es besonders aktuell. Und nun komme eben der Herbst.
Bauchgefühl gefragt
Das probateste Mittel gegen Dach-Haie sei gesundes Misstrauen, empfiehlt Achim Kraisel von der Handwerkskammer. Hausbesitzer, die ein Angebot stutzig gemacht hat, können bei ihm nachfragen, ob der Anbieter ein eingetragener Handwerksbetrieb ist. Ist er in der Handwerksrolle verzeichnet, "ist wenigstens mal handwerksrechtlich alles in Ordnung", differenziert Kraisel. "Ob das Angebot als solches seriös ist, ist leider eine ganz andere Frage." Da hilft dann eher das gesunde Bauchgefühl des Hausbesiters weiter. Das übrigens sollte Endverbraucher auch zu der Frage veranlassen, ob sie von einem seriösen Dachdecker-Unternehmen wirklich vermuten möchten, dass seine Mitarbeiter ganztags durch Wohngebiete fahren und fremde Dächer in Augenschein nehmen.
Die, die dann doch klingeln, schlagen ein sogenanntes "Haustürgeschäft" vor. Achim Kraisel verweist darauf, dass für Geschäfte dieser Art besondere Rücktrittsfristen gelten: "Wenn der Anbieter den Kunden ordnungsgemäß über die vorgeschlagenen Arbeiten belehrt hat, beträgt die Rücktrittsfrist zwei Wochen. Hat der Anbieter das versäumt, kommen längere Zeiträume in Frage." Wie lange die im Einzelfall sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Im Zweifelsfall hilft da ein Kontakt mit der Handwerkskammer.
Was aber, wenn es doch schon zu spät ist? Wie lässt sich beweisen, dass eine Reparaturleistung vielleicht gar nicht notwendig war? "Hinterher kann man das nicht mehr so ohne Weiteres sagen", räumt Achim Kraisel von der Handwerkskammer ein. Allerdings ließe sich immerhin noch feststellen, ob die Dacharbeiten wenigstens sachgerecht durchgeführt wurden. Dafür unterhält die Handwerkskammer Region Stuttgart ihre vereidigten Sachverständigen. Zu finden sind sie über die Sachverständigen-Datenbank der Kammer.
Rückfragen beantwortet Achim Kraisel unter der Telefonnummer 0711 1657-245. Die Dachdecker-Innung Stuttgart ist unter der Rufnummer 0711 6202083 zu erreichen.




