Aktuell
Vollversammlung der Handwerkskammer ist für Stuttgart 21
Resolution zu Gunsten des Großprojekts verabschiedet
Außerhalb ihres normalen Sitzungsturnus berieten sich die Delegierten der Vollversammlung der Handwerkskammer Region Stuttgart am 18. Oktober 2010 in einer Sondersitzung über das kontrovers diskutierte Großprojekt Stuttgart 21. Die Teilnehmer sprachen sich einstimmig für eine Unterstützung aller Teilbereiche des Projekts aus und formulierten ihren Standpunkt in einer Resolution.

Bild: HwK
In ihrer Stellungnahme bezeichnet die Vollversammlung das Projekt Stuttgart 21 als eine Maßnahme mit zentraler strategischer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort der Region Stuttgart und das Land Baden-Württemberg. Kammerpräsident Rainer Reichhold ist davon überzeugt, dass ein Teil der Milliardeninvestitionen in attraktive Aufträge für das Handwerk der Region Stuttgart fließen wird. "Von dem Kuchen werden wir uns ein großes Stück abschneiden. Es geht hier auf dem Areal von Stuttgart 21 um Aufträge, die Tausende von Arbeitsplätzen in unseren Betrieben sichern, die dann wieder junge Handwerker ausbilden können", erklärte Reichhold.
Nicht in den bevorstehenden Tunnel- und Gleisarbeiten sehen Präsidium und Vollversammlung der Kammer das eigentliche Auftragspotenzial für Handwerksunternehmen, sondern in den Folgeaufträgen des Projekts: "Auf den frei werdenden Gleisflächen entstehen neue Quartiere zum Arbeiten, zum Wohnen und zum Leben - bei der Ausgestaltung und Optimierung des Bauprojektes soll das Handwerk seine Erfahrung einbringen können. Schließlich machen unsere Fachleute so etwas nicht zum ersten Mal", forderte Reichhold. 11.000 neue Wohnungen, die Parkerweiterung und das Zusammenführen der Stadtteile im Norden und Osten Stuttgarts seien eine historische Chance - für die Stadt und die heimische Wirtschaft.
Der genaue Wortlaut der Resolution der Vollversammlung steht zum Herunterladen auf diesen Seiten bereit:
Resolution zum Projekt Stuttgart 21 (pdf-Dokument, 35,3 KB)
Teilprojekt mit vielen Teilprojekten
Die Deutsche Bahn AG, das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart und die Region Stuttgart bilden gemeinsam das Trägerkonsortium des Projekts Stuttgart 21. Die Deutsche Bahn AG hat das Vorhaben dabei von Anfang als Teilprojekt einer europaweiten Bahnmagistrale betrachtet, die die Metropolen Paris und Budapest beziehungsweise Paris und Bratislava über eine moderne Streckenführung verbinden soll. In Baden-Württemberg fallen dabei die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm und die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs besonders ins Gewicht.
Für Schnellzüge wie den deutschen ICE und den französischen TGV ist die Streckenführung des alten Albaufstiegs zwischen Geislingen und Ulm ein Hindernis. Die steile und kurvenreiche Strecke können sie nur mit niedrigen Geschwindigkeiten bewältigen. Die geplante Neubaustrecke Wendlingen - Ulm umgeht die Geislinger Steige über neu zu errichtende Tunnelstrecken und verläuft im Albvorland weitgehend parallel zur Autobahn A 8. - Die Notwendigket dieser Neubaustrecke wird auch von den meisten Gegnern von Stuttgart 21 nicht angezweifelt.
Ein Videoclip der Deutschen Bahn AG simuliert den Streckenverlauf von Ulm über den neuen ICE-Stopp am Stuttgarter Flughafen bis zum Hauptbahnhof in Stuttgart:
MotionRide "Ein Blick in die Zukunft"
Der neue Hauptbahnhof
Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 streiten sich vor allem um die Umgestaltung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Architekt Paul Bonatz erbaute das bestehende Gebäude in den Jahren 1914 bis 1928 als Kopfbahnhof, den alle Züge nach Osten verlassen - der einzigen Himmelsrichtung, die die Hänge des Stuttgarter Talkessels nicht umschließen. Das Projekt Stuttgart 21 versucht einen anderen Umgang mit der speziellen Topographie von Baden-Württembergs Landeshauptstadt. Aus dem Kopfbahnhof soll ein Durchgangsbahnhof werden. Der Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros von Christoph Ingenhoven sieht eine Tieferlegung der Gleise unter die Erde vor, deren Zahl von bisher sechzehn auf künftig nur noch acht reduziert werden soll. Gleichzeitig ändert sich die Fahrtrichtung: Stuttgart wird nicht mehr in Ost-West-, sondern in Nord-Süd-Richtung bedient. Das überflüssig gewordene Gleisvorfeld des alten Kopfbahnhofs kann mit Wohn- und Geschäftsgebäuden neu bebaut oder - teilweise - in Parkflächen umgewandelt werden. Das Handwerk der Region Stuttgart verspricht sich von diesem Vorhaben lukrative Aufträge.
Ein Thema - Viele Standpunkte
Stuttgart 21 wird kontrovers diskutiert. Die Positionen von Befürwortern und Gegnern des Projekts finden sich vor allem auf den folgenden Websites wieder:
Informationen der Landeshauptstadt Stuttgart
Initiative "Leben in Stuttgart"
Ansprechpartner für alle Fragen zur Position der Handwerkskammer Region Stuttgart ist Hauptgeschäftsführer Claus Munkwitz, Telefon 0711 1657-260.



