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"Niemals unter Wert verkaufen"
An Auktionsplattformen scheiden sich im Handwerk die Geister
Per Mausklick den Handwerker ins Haus holen - so sehen die Betreiber von MyHammer & Co. die Zukunft. So genannte Dienstleistungsauktionen erfreuen sich im Internet immer größerer Beliebtheit. Vor allem Vertreter jüngerer Generationen ziehen Auktionsplattformen dem Branchenbuch oftmals vor. Nach Angaben des Staatsanzeigers Baden-Württemberg führt vor anderen Plattformen MyHammer derzeit mit einer Million Nutzer, unter denen etwa 200.000 Handwerker registriert sind.

Bild: sheldon gardner, Paul Fleet © Fotolia.com, Montage: HwK
Wie funktionieren Auktionsplattformen im Internet? In der Regel werden Aufträge zu einem Mindestpreis und für eine bestimmte Dauer ausgeschrieben. Darauf können Handwerker ihre Angebote abgeben. Ist eine Auktion beendet, wird das billigste Angebot ermittelt. Allerdings kommt nicht immer der Günstigste zum Zug. Oft entscheiden sich die Auftraggeber für den Handwerker mit den besten Bewertungen oder dem sinnvollsten Angebot. Generell gilt jedoch: Gebote sind verbindlich, denn Handwerker schließen mit dem Plattformbetreiber sowie dem Auftraggeber einen Vertrag.
Was den Nutzen solcher Auktionsplattformen betrifft, scheiden sich nach wie vor die Geister. Ihre Befürworter schätzen die Transparenz bei Preisfindung, Bewertung und Qualifikation sowie das große Spektrum an Dienstleistungen. Die Gegner sprechen von Preis-Dumping, mangelnder Qualitätskontrolle der Plattformen, unzureichender Sicherheit bis hin zum Vorwurf der Förderung von Schwarzarbeit. "Die Plattformen entsprechen einer zeitgemäßen Entwicklung", so Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, Claus Munkwitz, "denn die Vertriebswege werden auch im Handwerk immer diversifizierter." Allerdings habe er im Nachrichtenmagazin Der Spiegel und auch in Gesprächen mit den Vorstandsvorsitzenden von MyHammer schon frühzeitig auf die Problematik des Preisverfalls und der Qualitätskontrolle hingewiesen. "Da geben sich Leute als Handwerker aus, die es gar nicht sind", brachte Munkwitz noch im Januar 2009 während des Spiegel-Interviews das Hauptproblem auf den Punkt.
Problem mit schwarzen Schafen
Die Betreiber von MyHammer haben die Kritik der Stuttgarter Handwerkskammer ernst genommen. Mit Hilfe konkreter Sicherheitsmaßnahmen sollen Betrug und Schwarzarbeit unterbunden werden. Von den Auftragnehmern wird eine offizielle Registrierung per Vorlage eines Gewerbescheins verlangt. Zudem haben viele Anbieter Bewertungssysteme eingeführt, die Auskunft geben über Qualität und Abwicklung der erteilten Aufträge. Im April 2009 prüfte das Deutsche Institut für Service-Qualität die Kundenfreundlichkeit von sieben Handwerksauktionsportalen. Vor allem im Bereich der Sicherheit wurden deutliche Defizite festgestellt. "Ein Drittel der Auktionshäuser boten weder einen Treuhandservice noch die Verschlüsselung der Seiten beim Log-In-Vorgang an", ermittelte die Studie. "Nicht ein einziges Unternehmen prüfte die genutzten Passwörter auf ihre Sicherheit." Und auch bei den Gebühren zeigten sich Unterschiede. Die Hälfte der Auktionshäuser verlangte von den Handwerkern Gebühren von zwei bis vier Prozent vom Auftragswert, auch wenn für die Auftraggeber bei keinem Anbieter Kosten anfielen. Gesamtsieger dieser Studie wurde die Plattform Blauarbeit, gefolgt von MyHammer und Undertool.
"Gerade junge, im Umgang mit dem Internet vertraute Handwerker nutzen diesen Vertriebskanal", weiß Thilo Trautwein, Betriebsberater der Handwerkskammer Region Stuttgart. "Aber nicht nur Startups, sondern auch gestandene Unternehmer können von diesen Auftragsplattformen profitieren." Das bestätigt auch Jürgen Kohler aus Stuttgart. Dank guter Bewertungen und wegen eines sorgfältig ausgearbeiteten Profils konnte der erfahrene Malermeister mit Hilfe von MyHammer sich bereits neue Stammkunden schaffen. "Gerade während einer Flaute können Handwerker solche Portale nutzen, um neue Kunden zu gewinnen", sagt Munkwitz. "Aber sie dürfen sich nicht unter Wert verkaufen." Denn das bedeute, Wasser auf die Mühlen des Preisverfalls zu schütten.
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Tipps vom Experten der Handwerkskammer
Thilo Trautwein, Berater für Handwerksrecht und Gewerberecht in der Handwerkskammer Region Stuttgart: Angebot: Kalkulieren Sie genau, um der Gefahr zu begegnen, sich unter Wert zu verkaufen. Meiden Sie weite Anfahrtswege. Prüfen Sie gründlich, ob die Leistungsbeschreibung für ein seriöses Angebot ausreichend ist. Leistung: Kommt es zu einer Auftragsvergabe, profitieren Sie künftig von einer qualitativen Ausführung. Die Mehrzahl der Aufträge geht zumeist nicht an den günstigsten Anbieter, sondern an den mit der besseren Qualitätsbewertung. Berechtigung: Im Netz ist alles öffentlich. Bieten Sie nur auf Leistungen, für die Sie eine Berechtigung, beziehungsweise den Eintrag bei der zuständigen Handwerkskammer haben. Transparenz: Beschreiben Sie möglichst genau, welche Fähigkeiten Sie mitbringen. Es ist zu empfehlen, Profile mit Bildern eigener Arbeiten anzureichern. |



